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Emotionaler Trigger im Streit:
Warum er jede Diskussion kippen lässt

Jan steckt mitten im Monolog. Er will die Investition wie geplant durchziehen. Alles ist durchgerechnet. Aber seine Schwester Nina schüttelt zum dritten Mal den Kopf. Dann sagt sie genervt: „Genau wie früher. Du machst das einfach, ohne mich zu fragen.“

Jan verdreht die Augen. Gerade ging es noch um die Investition, jetzt plötzlich um was anderes. 

Du musst dafür kein Unternehmen leiten. Diese Szene passiert überall, wo Menschen miteinander zu tun haben, die sich schon lange kennen. 


Kennst du das? Ein sachliches Thema, und doch tauchen plötzlich Emotionen auf. Sie stammen oft aus alten Strukturen: Wer musste früher schon Verantwortung übernehmen, wer hat sich früher immer durchgesetzt, wer nachgegeben etc. 
Diese Rollen verschwinden nicht einfach so. Sie triggern aktuelle Situationen und erschweren die Diskussion. 

Im Coaching nenne ich das Anlass und Ladung. Der Anlass ist die Sache, die Ladung ist eine angetriggerte Rolle, die plötzlich mitmischt und Gefühle erzeugt. 


Egal, ob du einen Betrieb mit deinen Geschwistern führst oder als Führungskraft in einem Unternehmen arbeitest – solche Muster werden immer wieder berührt. Warst du früher Vermittler zwischen streitenden Eltern? Ein Schüler, der nicht auffallen durfte? Ein Kind, das für seine Geschwister Verantwortung übernehmen musste? Solche Erfahrungen schwingen auch am Konferenztisch mit. Deshalb lohnt es sich, die mal genauer anzuschauen. 

Am einfachsten geht das, wenn du dich selbst beobachtest, und zwar über einen längeren Zeitraum. Da wiederholen sich Muster. Es ist nicht ein einzelner Moment.

Du kannst dich fragen:

In welchen Situationen reagiere ich öfter stärker, als der Anlass es eigentlich rechtfertigt?

Und wer war ich in meiner Familie, bevor ich Chef, Geschäftsführerin oder Gesellschafter wurde?

Der Vermittler zwischen streitenden Eltern sitzt auch in der Gegenwart mit im Meeting. Er versucht, Konflikte zu entschärfen, weil er sich unwohl fühlt, wenn Streit herrscht. Das ist die alte Ladung. Wenn du als Kind zum Beispiel für die jüngeren Geschwister Verantwortung übernehmen musstest, übernimmst du sie später oft wieder. Das zeigt sich dann manchmal so, dass du automatisch die Kontrolle übernimmst, obwohl du sie eigentlich auch delegieren könntest. Diese Muster erkennst du nicht einzeln, sondern erst, wenn sie sich wiederholen.

Beobachte dich:

Wenn du mitkriegst, wann ein Gefühl kippt, halte kurz inne. Dann kannst du die Rolle dahinter identifizieren. Dafür brauchst du etwas Zeit. Allein das Beobachten bringt dir schon mehr innere Distanz und Handlungsfähigkeit.

Wenn es passt, sprich es an:

Beschreibe die Rolle, die gerade aktiviert wurde. Denn das erzeugt Verständnis und bringt die Aufmerksamkeit wieder zurück in die Gegenwart und auf die Sache, um die’s gerade geht.

Das braucht etwas Übung. Und innere Ruhe – die kannst du dir nicht in der Hitze des Gefechts herbeiwünschen. Die musst du dir vorher schon ein Stück weit erarbeitet haben.

Wenn du öfter an diesem Punkt landest – mit deinen Geschwistern, im Team, in der Führung –, heißt das vor allem eins: Die alten Rollen sind lauter als jeder Businessplan. Aber das lässt sich klären. Und du musst das nicht allein hinkriegen.

Mein Gastautor Thomas Herrmann hat zu diesem Artikel eine spannende Ergänzung geschrieben, die du hier lesen kannst.

Hanne Demel

Hanne Demel ist Coach für Familienunternehmen und begleitet seit 30 Jahren Inhaberfamilien im Mittelstand bei Problemen rund um Nachfolge  und Führung.

Als Diplom-Sozialpädagogin, Heilpraktikerin für Psychotherapie und ausgebildete Familientherapeutin liegt ihr Schwerpunkt in der Lösung von familiären Konflikten.

Im Blog schreibt sie darüber, wie Rollenunklarheiten und Führungsansprüche zu Verwürfnissen in Familienunternehmen führen können - und wie sich das vermeiden lässt.

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