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Vorsorgevollmacht für Unternehmer -
warum du sie brauchst und sie trotzdem nicht machst

Bernd liegt seit drei Wochen mit gebrochenem Bein, zwei gebrochenen Rippen und einem angeknacksten Rückenwirbel im Krankenhaus. Fünf Wochen wird er komplett ausfallen, sagen die Ärzte. Er hatte keine Schuld an diesem Autounfall. Jemand hatte ihm die Vorfahrt genommen und war mit Schmackes in sein Auto reingekracht. Und während Bernd im Bett liegt und sich fragt, ob mit seinem Rücken alles wieder gut wird, ruft sein Prokurist zum dritten Mal an diesem Tag an: Die Bank braucht eine Unterschrift, die nur Bernd leisten darf. Niemand sonst.

Das Unternehmen läuft weiter, irgendwie. Aber jede Entscheidung, die eine Unterschrift von Bernd braucht, bleibt liegen. Und das sind mehr Entscheidungen, als er gedacht hätte.

Wenn ich Unternehmer:innen auf eine Vorsorgevollmacht anspreche, kommt sehr oft die gleiche Antwort: „Ja, steht auf meiner Liste.“ Manchmal schon seit Jahren. Wer ein Unternehmen führt, hat in der Regel alles im Griff. Daran liegt es nicht.

Was dahinter steckt: Eine Vorsorgevollmacht zu schreiben, heißt gleichzeitig, sich vorzustellen, nicht mehr am Ruder zu stehen. Und genau das schiebst du weg, wenn dein Selbstverständnis daran hängt, alles im Griff zu haben.

Kennst du das Gefühl, im Urlaub trotzdem das Handy zu checken, „nur für den Fall“? Genau dieses Muster – nur größer und mit echten Konsequenzen.

Ich hab erlebt, wie genau diese Angst, loszulassen, sogar nach einer offiziellen Übergabe noch weiterlebt – darüber habe ich hier geschrieben.

Eine Vorsorgevollmacht legt fest, wer für dich entscheiden darf, wenn du selbst nicht mehr kannst – aus Krankheit, nach einem Unfall, im Alter. Ohne sie bestellt das Gericht im Ernstfall einen Betreuer für dich als Person. Und dieser Betreuer übt dann auch deine Rechte im Unternehmen aus: Er sitzt für dich in der Gesellschafterversammlung, stimmt mit deinen Stimmrechten ab, kann sogar einen neuen Geschäftsführer bestimmen. Eine Person, die dein Unternehmen nicht kennt, deine Werte nicht, deine Mitarbeitenden nicht – und die für jede wichtige Entscheidung erst noch die Genehmigung des Betreuungsgerichts braucht. Ein Gericht, das von deinem Betrieb genauso wenig Ahnung hat.

Eine private Vorsorgevollmacht, wie sie viele schon für den Gesundheitsbereich haben, reicht dafür nicht. Sie deckt Pflege und Wohnung ab, nicht die Geschäftsführung. Für dein Unternehmen brauchst du eine eigene, spezifische Regelung: Wer darf Verträge unterschreiben? Wer hat Zugriff auf die Konten? Wer trifft Personalentscheidungen, solange du ausfällst?

Ohne diese Regelung steht dein Unternehmen bei einem plötzlichen Ausfall faktisch still. Banken stellen Forderungen. Verträge, die eigentlich unterschrieben werden müssten, liegen. Und deine Familie kommt nicht mal an die Firmenkonten, um laufende Rechnungen zu bezahlen, weil ihr die Vollmacht fehlt.

  • Vier Bereiche gehören in eine gute Vorsorgevollmacht für dein Unternehmen:
  • Wer vertritt dich nach außen, gegenüber Banken, Lieferanten, Behörden?
  • Wer hat Zugriff auf die Firmenkonten, damit Gehälter und Rechnungen weiterlaufen?
  • Wer darf im Alltag Personalentscheidungen treffen, solange du fehlst?

Und: Wem traust du das überhaupt zu – nicht nur fachlich, sondern menschlich?

Diese vier Fragen sind der Anfang, nicht das Ende. Die rechtliche Ausformulierung gehört in die Hände von Notar oder Anwalt – das ist nicht mein Feld, da will ich mir nichts anmaßen. Was ich dir dagegen mitgeben kann: eine Struktur, mit der du die Fragen vorab für dich klärst, bevor du damit zum Notar gehst. Genau dafür entsteht bei mir gerade ein Notfallordner speziell für Unternehmer – sobald er fertig ist, verlinke ich ihn dir hier.

Bernd hat nach seinem Unfall die Vollmacht innerhalb von zwei Wochen nachgeholt, organisiert aus dem Krankenbett heraus, über seine Frau. „Hätte ich das mal vorher gemacht“, hat er mir später gesagt. Ich konnte die Erleichterung in ihm spüren, weil das endlich geregelt war.

Du musst nicht erst einen Unfall brauchen, um das anzugehen. Dich für den Fall abzusichern, wenn du mal ausfällst, ist keine Schwäche, Das ist Weitsicht. Melde dich gern, wenn du merkst, dass dieses Thema bei dir schon länger liegt und du nicht weiterkommst. Ich kann dir helfen, das herauszufinden, was dich bisher daran gehindert hat.

Hanne Demel

Hanne Demel ist Coach für Familienunternehmen und begleitet seit 30 Jahren Inhaberfamilien im Mittelstand bei Problemen rund um Nachfolge  und Führung.

Als Diplom-Sozialpädagogin, Heilpraktikerin für Psychotherapie und ausgebildete Familientherapeutin liegt ihr Schwerpunkt in der Lösung von familiären Konflikten.

Im Blog schreibt sie darüber, wie Rollenunklarheiten und Führungsansprüche zu Verwürfnissen in Familienunternehmen führen können - und wie sich das vermeiden lässt.

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