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Warum du mit Eigenreflexion
dein Coaching wesentlich verbesserst

Es gibt viele Coaches, aber nicht ganz so viele wirklich gute. Was macht einen guten Coach aus und was hat Eigenreflexion damit zu tun? Was kannst du tun, um als Coach richtig gut zu werden? Darum geht’s hier in diesem Blogpost.

Eigenreflexion ist deshalb so wichtig, weil du dir in einem Coaching deiner eigenen wunden Punkte bewusst sein musst. Andernfalls arbeitest du nicht sauber. Es passiert leicht, dass du als Coach deine Gefühle auf deine Klient*in überträgst. Deshalb musst du dich gut kennen und dich beobachten können.

Jeder Mensch hat wunde Punkte. Das ist völlig normal. Doch wenn im Coaching ein solcher Punkt bei dir berührt wird, kann dich das unklar machen. Zumindest, wenn du’s nicht mitbekommst. Denn dann reagierst du unbewusst und das schränkt auch deine Sichtweise auf das Thema ein. Ruckzuck wird dein Handlungsspielraum genauso klein wie bei deiner Klient*in.

Wenn du dich selbst beobachtest, merkst du, wann du wie reagierst. Du entdeckst deine Vorlieben und Abneigungen. Du kriegst mit, was dich tiefer berührt. Und du kannst gegensteuern. Dann projizierst du nichts auf deine Klient*in. Das ist Eigenreflexion.

Ein krasses Beispiel von einem Therapeuten, der ganz offensichtlich keine Eigenreflexion betrieben hat

Ein Coaching-Kunde erzählte mir vor einer Weile, dass ein Therapeut, bei dem er eine zeitlang Stunden genommen hatte, ihm folgendes geraten hatte. Er sollte fremdgehen, um „seine Beziehungsprobleme in den Griff zu bekommen“. Ich musste echt an mich halten, dass ich nicht explodiert bin, so ungeheuerlich fand ich das. Aber solche „Blüten“ kann das treiben, wenn ein Coach ohne Eigenreflexion seine eigenen Probleme und heimlichen Sehnsüchte auf den Coachee projiziert.

Du solltest dich bei Themen, die dich besonders berühren, auch besonders zurücknehmen und vorsichtig sein. Ich bin dann auch nicht explodiert sondern habe nur ruhig gefragt, welche Wirkung das auf sein Leben gehabt und ob ihm das seiner Meinung nach geholfen hätte.

Eigenreflexion hilft dir dich selbst besser zu verstehen

Beobachte dich: welche Themen wühlen dich emotional auf? Welche lösen Angst aus? Versetzen dich in Unruhe? Machen dich wütend?

Eigenreflexion ist kein Luxus, sondern eine Notwendigkeit, vor allem im Coaching. Aus diesem Grund gibt’s auch Supervision für Coaches. Dabei kannst du dich und deine Arbeit reflektieren. Denn jeder hat unklare Stellen in sich, das ist ganz normal.

Ohne Eigenreflexion könntest du mit deinem Coachee nur solche Themen bearbeiten, bei denen du keine eigene Erfahrung hast. Dann berührt dich auch nichts. Aber das wiederum macht dein Coaching flach. Denn dann fehlt auch dein tiefes Einfühlen in dein Gegenüber und dein Mitgefühl.

Eigenreflexion hilft dir, deine eigenen Themen bei dir zu behalten. Nichts auf deinen Coachee zu übertragen. Das macht deine Arbeit sehr unklar und hilfreich.

Du solltest deshalb immer deine eigene Persönlichkeit erforschen:

SpicyTruffel, iStock

Selbstreflektion braucht die richtigen Fragen. Beantworte deshalb spontan und ehrlich:

  • Wie tickst du?
  • Welche Werte verfolgst du?
  • Was ist dir wichtig?
  • Was findest du moralisch verwerflich?
  • Was berührt dich unangenehm?
  • Was macht dich unsicher?
  • Was macht dir Angst?

Was noch passiert, wenn du dich nicht reflektierst

Ich kenne Leute, die schließen immer von sich auf andere. Für sie ist das völlig normal, dass andere das Gleiche denken oder mögen wie sie selbst. Sie haben kaum Raum für andere und betreiben auch keine Eigenreflexion.

Im Privaten ist das schon doof, aber wenn du im Coaching deine eigenen Vorlieben und Abneigungen zu sehr reinbringst, beeinflusst du deinen Coachee.

Wenn du mit ihm konform gehst, versucht er dir unbewusst, mehr von dem zu zeigen, was du gut findest.

Wenn du etwas verurteilst, verschließt er sich und lässt dich nicht mehr nah genug an sich heran.

In beiden Fällen verhinderst du, dass dein Coachee SEINE EIGENEN LÖSUNGEN FINDET, die er auch umsetzen kann.

Was kannst du als Coach tun, um deinen Coachee nicht zu verurteilen

Wenn du etwas nicht gut findest, was dir dein Coachee erzählt, dann stell deine Gefühle erstmal in den Hintergrund. Und das machst du am besten mit folgendem Bild: Stell dir vor, du bestehst aus vielen Seiten, so wie ein Prisma. Jede einzelne Seite hat ihre eigenen Gefühle. Ein Gefühl entsteht also nur in einem Teil von dir.

Diesen Teil kannst du leichter kontrollieren, wenn du stattdessen einen anderen Teil in den Vordergrund stellst. Das ist wie in der systemischen Arbeit, wo du auch mit Persönlichkeitsanteilen deiner Klienten arbeitest und Blockaden löst.

Stell dir also vor, du rückst dieses Gefühl etwas in den Hintergrund. Dafür holst du etwas anderes in den Vordergrund. Zum Beispiel Mitgefühl.

Stell dir also einfach vor, du rückst ein Gefühl von Abneigung in deinen Hintergrund. Nach dem Coaching kannst du dich dann darum kümmern, aber im Coaching noch nicht. Das verschafft dir mehr Zeit und innere Ruhe. Du kannst deine Reaktionen dann besser überdenken. Deine Worte bewusster einsetzen.

Eigenreflektion ist immer die Basis guter Coachingarbeit

Genau aus diesem Grund finde ich Coaching-Ausbildungen, die nur über einen sehr kurzen Zeitraum gehen, absolut nicht hilfreich. Da bekommst du in der Regel nur ein Zertifikat, das du dir an die Wand nageln kannst. Aber von gutem Coaching-Handwerk bist du noch meilenweit entfernt. Da gehört schon mehr dazu.

Die Hand, die ein Werkzeug führt, muss sich präzise bewegen. Dafür musst du das Werkzeug UND deine Hand kennen. Sonst ist das beste Werkzeug Mist. Coaching ist eine Kunst, die Erfahrung und Klarheit braucht.

Erst nach längerer Ausbildung und Selbstreflexion bist du in deiner Persönlichkeit so weit, dass du klar mit anderen arbeiten kannst.

Hanne Demel


Hanne Demel

Hanne Demel arbeitet seit 25 Jahren psychotherapeutisch und als Coach für Unternehmer. Ihr Schwerpunkt sind emotionale Themen. Sie lebt in Zell bei Würzburg.

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