47 Striche in neun Sitzungen. Ein bisschen mehr als beim tapferen Schneiderlein.
So viel kam letzte Woche zusammen, als ich mitzählte, wie oft im Coaching das Wort „eigentlich“ fiel. Neben meinem Notizblock lag ein Zettel, und bei jedem „eigentlich“ machte ich unauffällig einen Strich.
Keine wissenschaftliche Studie, eher eine Schnapsidee beim Frühstück. Ich wollte einfach wissen, ob mein Bauchgefühl stimmte. Nämlich, dass dieses kleine Wörtchen öfter die Wahrheit verrät als der ganze Rest vom Gespräch.
Nach dem „eigentlich“ kam fast immer der Satz, um den es wirklich ging
Und tatsächlich: Fast jedes Mal folgte direkt danach die Aussage, die eigentlich zählte.
- „Eigentlich will ich ja nur, dass er mich mal fragt.“
- „Eigentlich habe ich damit schon vor zwei Jahren abgeschlossen.“
- „Eigentlich bin ich da schon raus!“ (Das nahm ich meiner Klientin nicht ab. Und sie sich selbst am Ende auch nicht mehr.)
Meine Vermutung: „Eigentlich“ ist eine Art Vorwarnung. Es schwächt ab, was danach kommt – und das ist in der Regel das, was wirklich wichtig ist. Ein Weichspüler fürs Gesagte, damit man dem anderen die eigenen Wünsche nicht so kratzbürstig um die Ohren haut.
Kennst du das? Bei dir selbst, oder aus Gesprächen mit der Familie, mit Freunden?
Warum „eigentlich“ in Nachfolgeprozessen besonders oft fällt
In Nachfolgeprozessen höre ich das Wort besonders gern – kurz bevor jemand sagt, was wirklich Sache ist.
Das passt ins Bild. Wer gerade übernimmt oder übergibt, bewegt sich auf dünnem Eis: zwischen Loyalität zur Familie und dem eigenen Anspruch, zwischen Respekt vor den Eltern und dem Wunsch, es anders zu machen. Da ist „eigentlich“ ein praktisches kleines Wort. Es lässt einem einen Fluchtweg offen, falls der Satz zu direkt klingt. Wie du diese Konflikte in der Unternehmensnachfolge gut lösen kannst, liest du hier.
Nur: Der Satz danach ist meistens trotzdem wahr.
Was du daraus mitnehmen kannst
Wenn dir das Wort das nächste Mal über die Lippen kommt – oder du es bei jemand anderem hörst – dann hör genauer hin. Was kommt danach?
Ein paar Fragen, die dabei helfen:
- Was würde ich sagen, wenn ich das „eigentlich“ einfach weglassen würde?
- Vor wem schwäche ich diesen Satz gerade ab – und warum?
- Traue ich mich, den Satz auch ohne Weichspüler zu sagen?
Klar, eine Woche Beobachtung ist keine Studie. Aber ich fand es aufschlussreich genug, um es dir zu erzählen. Vielleicht zähle ich in drei Monaten noch einmal und komme auf ein ganz anderes Ergebnis.
Wann sagst du „eigentlich“? Und was kommt danach?
Wenn du merkst, dass bei dir öfter „eigentlich“ fällt als der klare Satz dahinter – gerade in der eigenen Familie oder im Unternehmen – dann melde dich gern. In meinem Coaching für Familienunternehmen klären wir genau solche Sätze.
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