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Wie du im Familienunternehmen Streit schlichten
und so die Führung behalten kannst

Wenn im Familienunternehmen der Ton kippt und du Streit schlichten willst

Die Rollen liegen oft dicht beieinander: Tochter und Geschäftsführerin, Vater und Gründer, Sohn und Nachfolger. Da geht es nie nur um Zahlen oder Strategien – sondern auch um Geschichte, Stolz und Zugehörigkeit.
Und genau das macht Gespräche manchmal brisanter, als sie sein müssten.

Ingrid erzählte mir kürzlich von einem Gespräch mit ihrem Vater. Es hätte ein kurzes, sachliches Meeting werden sollen. Dabei ging’s um die Investitionsplanung fürs nächste Jahr.

„Ich hatte alles so gut vorbereitet“, sagte Ingrid. „Die Zahlen, Chancen, auch die Risiken. Ich wollte ihm zeigen, dass wir unbedingt investieren müssen, damit unser Unternehmen Zukunft hat. Wir sollten ein paar Dinge anpassen.“

Der Vater wollte von einer Investition in dieser Höhe nichts wissen. Er verschränkte die Arme.
„Du bist zu unvorsichtig, Ingrid“, meinte er. „Du hast keine Ahnung, was da auf dem Spiel steht. Ich hab das aufgebaut – und wir sind damit immer gut gefahren. Ich weiß, wie schnell man daneben langt und alles verspielt.“

Ingrid hielt dagegen: „Genau das ist das Problem! Du hältst am Alten fest, statt weiterzudenken!“

Ab da ging es nicht mehr um Zahlen. Auch nicht um Strategie. Sondern um Anerkennung, gehört werden und darum, wer das letzte Wort hat.

„Ich hab gemerkt, wie ich lauter wurde“, erzählte mir Ingrid. „Ich war dann so wütend auf ihn, und gleichzeitig wollte ich, dass er mich endlich ernst nimmt.“

Am Ende standen beide auf, ohne Ergebnis. Zwei Menschen, die sich eigentlich vertrauen. Emotionen trennen, wenn sie zu stark werden.

Denn solche Situationen kennen viele Familienunternehmer:innen. Denn genau da trifft Verantwortung auf Geschichte, Strategie auf Beziehung, Führung auf Kindsein.

Emotionen sind aber kein Zeichen von Schwäche. Sie zeigen, dass etwas wichtig ist. Nur wenn sie das Gespräch kapern, geht’s dann nicht mehr um Lösungen.

Selbstregulierung ist in solchen Momenten keine Persönlichkeitsfrage. Sie ist Führungsarbeit. Denn Selbstregulierung bedeutet, dass du deine Emotionen wahrnehmen und sie steuern kannst. Das hilft dir, auch die Emotionen der anderen Beteiligten bewusst wahrzunehmen, und das reduziert die Gefahr, dass sie dich triggern.

  • Du redest schneller, lauter oder sarkastisch.
  • Du willst dich nur noch durchsetzen und überzeugen, statt lösen.
  • Du hörst nicht mehr wirklich zu.
  • Dein Atem wird lauter, du schöpfst damit Energie für deine Emotionen.

… ist ein kurzer Stopp:

  • Atme ein paarmal tief ein und wieder aus. Zum Beispiel sechs bewusste Atemzüge.
  • Sage deinem Gegenüber, dass du einen Moment brauchst.
  • Und dann denke dir folgenden Satz: „Ich erlaube mir, das in Ruhe klären.“

Eine kurze Pause ist kein Verlieren, kein Rückzug und kein Gesichtsverlust. Sie ist ein Zeichen von Reife. Denn sie hilft dir, runterzukommen und in die Ruhe zu gehen. Vor allem, wenn es emotional geworden ist. Du übernimmst damit Verantwortung für dich. Und dann auch für die Situation.

  • Beschreibe, was gerade passiert, und bring Ruhe rein:

    Du könntest zum Beispiel sagen „Du bist jetzt auf Einhundertachtzig, und ich auch. So kriegen wir das nicht hin. Lass uns in Ruhe miteinander reden.“ Damit bringst du sofort etwas Distanz in die Situation. Du steigst aus dem „Gewinnspiel“ aus und wertest nicht mehr. Das schafft Raum und Entspannung.

    • Verändere deine körperliche Position:

    Wenn Gespräche festgefahren sind, hilft es manchmal tatsächlich, körperliche Bewegung reinzubringen. Du könntest dich hinsetzen, hinstellen, kurz aufs Klo gehen, ein Glas Wasser holen… Bewegung kann emotionale Muster unterbrechen, weil sie oft mit einer bestimmten Körperhaltung verknüpft sind. Probier’s aus, wenn du nächstes Mal in Streit gerätst.

    • Schau auf das, was hinter den Emotionen steckt:

      Hinter jedem Streit steckt ein Bedürfnis: gesehen, gehört, respektiert zu werden. Wenn du das erkennst – bei dir und beim anderen –, ändert sich dein Blick. In dem Moment bist du nicht mehr auf der Oberfläche. Du erkennst, worum es neben der Sachebene noch geht. Du verstehst den Streit und dein Gegenüber besser und kannst das benennen. Das ist starke Deeskalation. Denn sobald die dahinterliegenden Bedürfnisse gesehen werden, können Emotionen abflauen. Die Erregung sinkt.

      Wie du mit Wut umgehen und sie loswerden kannst, das kannst du auch hier nachlesen. Klick drauf!

      Das ist emotionale Selbstführung im Alltag. Du kannst sie in kleinen Situationen üben. Schau sofort auf die emotionale Ursache, sobald du einen kritischen Kommentar, eine ruppige Mail oder einen anderen stressigen Moment erlebst. Dann bist du auch in herausfordernden Situationen gewappnet. Es fällt dir dann leichter, ruhig und klar zu bleiben.

      Führung im Familienunternehmen bedeutet immer auch, die eigenen Emotionen zu führen – ohne sich von ihnen kapern zu lassen. Wenn du lernst, in emotional geladenen Momenten ruhig zu bleiben, stärkst du nicht nur deine Autorität und Ausstrahlung, sondern auch das Vertrauen der anderen in dich.

      Wie gehst du mit solchen Momenten um, wenn der Ton kippt?
      Schreib mir gern, welche Strategien dir helfen, ruhig und klar zu bleiben, wenn’s persönlich wird.

      Hanne Demel

      Hanne Demel arbeitet seit ca. 30 Jahren psychotherapeutisch und als Coach für Unternehmer, vor allem in Familienunternehmen. Ihr Schwerpunkt sind emotionale Themen - auch im Unternehmenskontext. Professioneller Hintergrund: Sozialpädagogin, systemische Familientherapie und Organisationsaufstellungen, Hypnosetherapie, Tanz- und Bewegungstherapie und Heilpraktikerin für Psychotherapie. Sie lebt in Zell bei Würzburg.

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