Wenn Geschwister sich blockieren: Wie regelmäßiges Coaching Konflikte in Familienunternehmen löst
„Wir brauchen kein Coaching. Wir regeln das schon unter uns.“ Das höre ich oft von Unternehmern, die Konflikte im Familienunternehmen haben. Doch ein halbes Jahr später sitze ich genau diesen Geschwistern gegenüber – weil sie es eben doch nicht mehr unter sich regeln konnten.
Ein Anruf erreichte mich vor einiger Zeit. Am Telefon war Markus, 42, einer von drei Geschwistern, die gemeinsam ein mittelständisches Unternehmen mit 200 Mitarbeitern führten. Seine Stimme klang müde: „Frau Demel, wir drehen uns im Kreis. Jede Entscheidung wird zum Machtkampf. Meine Schwester und ich, wir blockieren uns gegenseitig. Und unser jüngster Bruder? Der sitzt zwischen den Stühlen und traut sich kaum noch, seine Meinung zu sagen.“
Wenn die Familie zur Falle wird
Was war passiert? Die drei Geschwister hatten vor zwei Jahren das Unternehmen vom Vater übernommen. Gleichberechtigt, zu je einem Drittel. Eine faire Lösung, dachte der Vater. Doch in der Praxis wurde daraus ein Patt.
Markus wollte digitalisieren und modernisieren. Seine Schwester Sabine setzte auf bewährte Strukturen und Kundenpflege. Der jüngste, Thomas, versuchte zu vermitteln – und wurde dabei zerrieben. Jede Strategiesitzung endete im Streit. Investitionsentscheidungen wurden verschleppt. Die Mitarbeiter merkten die Spannungen und wurden zunehmend verunsichert.
„Wir können nicht mehr miteinander reden, ohne dass alte Geschichten hochkommen“, sagte Markus. „Sabine wirft mir vor, ich würde alles über den Haufen werfen, was Vater aufgebaut hat. Und ich denke mir, dass sie einfach Angst vor Veränderung hat.“
Die unsichtbaren Rollen aus der Kindheit schwingen bei Konflikten im Familienunternehmen immer mit
Was hier zum Vorschein kam, war nicht nur ein strategischer Konflikt. Es waren Rollenmuster aus der Kindheit, die sich in die Unternehmensführung eingeschlichen hatten. Markus, der Erstgeborene, der immer der Verantwortliche war. Sabine, die Mittlere, die immer kämpfen musste, um gehört zu werden. Und Thomas, der Jüngste, der Harmonie suchte und Konflikte scheute.
Diese Muster sind in Familien völlig normal. Doch sie werden zum Problem, wenn sie zu Konflikten im Familienunternehmen führen und die Entscheidungsfindung blockieren. Denn in einem Führungsteam braucht es gleichwertige Partner – keine große Schwester und keinen kleinen Bruder.
Warum ein einmaliges Coaching nicht reichte
Viele Familienunternehmen melden sich erst, wenn die Situation bereits verfahren ist. Sie kommen zu ein, zwei Coaching-Terminen, klären akute Konflikte – und denken dann, das Problem sei gelöst.
So war es auch bei Markus, Sabine und Thomas. Wir hatten ein intensives dreistündiges Coaching. Dabei klärten wir die emotionalen Verstrickungen, sprachen über Rollen und Verantwortung. Das brachte kurzfristig Entspannung. Alle waren erleichtert und motiviert.
Doch drei Wochen später kam der nächste Anruf von Markus: „Wir sind wieder im alten Muster gelandet. Sobald es um konkrete Entscheidungen geht, fallen wir zurück.“
Der entscheidende Unterschied: Kontinuierliche Begleitung bei Konflikten im Familienunternehmen
Warum passiert das? Weil tiefe familiäre Muster sich nicht in zwei Tagen auflösen. Sie brauchen Zeit, Wiederholung und jemanden, der immer wieder darauf aufmerksam macht, wenn sie sich einschleichen.
Die drei Geschwister brauchten keine einmalige Intervention. Sie brauchten eine regelmäßige Begleitung. Jemanden, der in kritischen Momenten mit am Tisch sitzt und hilft, aus der Familienperspektive in die Unternehmerperspektive zu wechseln. Jemanden, der sagt: „Stopp. Jetzt sprecht ihr wieder als Geschwister, nicht als Geschäftsführer. Lasst uns auf die Zahlen schauen. Was ist das Beste fürs Unternehmen?“
Ich schlug ihnen vor, ein langfristiges Coaching-Arrangement zu vereinbaren. Nicht nur bei akuten Krisen, sondern regelmäßig. Einmal im Monat würde ich bei ihrer Strategiesitzung dabei sein. Dazwischen wären Einzelgespräche möglich, wenn jemand Klärung brauchte.
Die erste Reaktion war Zögern. „Ist das nicht zu viel?“, fragte Thomas. „Wir wollen doch selbstständig führen können.“
Doch genau darum ging es. Damit sie langfristig selbstständig führen konnten, brauchten sie jetzt kontinuierliche Unterstützung beim Aufbau neuer Kommunikationsmuster.
Wie kontinuierliches Coaching familieninterne Blockaden löst
Nach einigem Überlegen wagten die drei den Schritt. Wir vereinbarten eine monatliche Begleitung über zunächst ein Jahr. Und schon in der ersten begleiteten Sitzung passierte etwas Entscheidendes.
Markus stellte sein Digitalisierungsprojekt vor. Sabine wollte sofort widersprechen – wie immer. Ich unterbrach: „Sabine, was genau ist deine Befürchtung? Das ist bei Markus bisher nicht angekommen.“
Sabine zögerte. Dann sagte sie: „Ich habe Angst, dass wir unsere langjährigen Kunden verlieren. Die schätzen den persönlichen Kontakt. Und ich fürchte, dass wir das Gesicht unserer Firma verlieren, wenn wir alles digitalisieren.“
Es war das erste Mal, dass sie ihre Sorge so klar formulierte. Und plötzlich konnte Markus sie hören – nicht als Widerstand, sondern als berechtigte Sorge. Ich half den Geschwistern, aus dem Konflikt einen produktiven Dialog zu machen.
Das hätte bei einem einmaligen Coaching-Termin vielleicht auch geklappt. Aber der Unterschied war: Ich war im nächsten Monat wieder da. Und im übernächsten. Jedes Mal, wenn die alten Muster wieder auftauchten, konnte ich sie benennen und unterbrechen.
Was regelmäßiges Coaching konkret bewirkt
Eine kontinuierliche Coaching-Begleitung in einem Familienunternehmen kann:
- Die richtigen Fragen stellen – immer wieder. Fragen, die unter Geschwistern schnell nach Angriff klingen, werden von einem Coach als normale Reflexion eingebracht. „Habt ihr die Risiken wirklich durchdacht?“ kann von der Schwester verletzend wirken. Von mir ist es eine professionelle Nachfrage.
- Emotionen in Echtzeit benennen. Ich erkenne, wann Emotionen im Raum sind, und kann sie sofort ansprechen: „Ich spüre gerade Spannung. Können wir das klären, bevor wir weitermachen?“ Das verhindert, dass sich Konflikte hochschaukeln.
- Pattsituationen auflösen. Wenn zwei Geschwister gleichberechtigt sind und sich nicht einigen können, braucht es eine dritte Instanz. Ich helfe dabei, Entscheidungskriterien zu entwickeln, die über persönliche Präferenzen hinausgehen.
- Neue Muster etablieren. Einmal über Kommunikation zu sprechen, reicht nicht. Muster ändern sich durch Wiederholung. Wenn ich Monat für Monat dabei bin, können wir neue Kommunikationswege so lange üben, bis sie selbstverständlich werden.
- Rollen immer wieder klären. Die Rollenklarheit, die wir in einem Workshop erarbeiten, verschwimmt im Alltag schnell wieder. Durch regelmäßige Begleitung kann ich immer wieder daran erinnern: „Markus, du sprichst gerade als großer Bruder, nicht als Geschäftsführer für Innovation.“
- Langfristige Entwicklung im Blick behalten. Familieninterne Konflikte drehen sich oft um kurzfristige Spannungen. Als Coach kann ich den Blick immer wieder auf die langfristige Entwicklung lenken – sowohl des Unternehmens als auch der Familie.
Der Unterschied zwischen Krisenintervention und Begleitung
Viele Familienunternehmen denken: „Wir holen uns Hilfe, wenn’s brennt.“ Doch das ist, als würde man erst zum Zahnarzt gehen, wenn der Zahn schon fault. Viel sinnvoller ist die regelmäßige Vorsorge.
Bei Markus, Sabine und Thomas war die Krise bereits da, als sie mich anriefen. Wir mussten erst einmal löschen. Aber dann ging es darum, dass es nicht wieder brennt. Und genau das leistet kontinuierliches Coaching.
In den ersten fünf Monaten unserer Zusammenarbeit war ich intensiv dabei. Ich war bei fast jeder wichtigen Besprechung online zugeschaltet. Nicht, um die Entscheidungen zu treffen, sondern um den Prozess zu begleiten. Um zu spiegeln, was ich wahrnahm. Um zu unterbrechen, wenn alte Muster sich wieder einschlichen.
Nach einem halben Jahr wurden die Abstände dann etwas größer. Die drei hatten neue Kommunikationswege gelernt. Sie konnten sich gegenseitig besser einschätzen. Aber ich blieb ihr Anker – jemand, zu dem sie immer kommen konnten, wenn es wieder schwierig wurde.
Die Einzelgespräche: Der Raum für das Unausgesprochene
Ein wichtiger Teil der kontinuierlichen Begleitung waren die Einzelgespräche. Dinge, die man in der Gruppe nicht aussprechen kann. Zweifel. Ängste. Alte Verletzungen, die plötzlich wieder hochkommen.
Sabine rief mich eines Tages an. Sie war verzweifelt. „Ich weiß, dass Markus Recht hat mit der Digitalisierung. Aber ich fühle mich so überfahren. Als wäre ich nicht mehr wichtig. Als würde das, wofür ich stehe, keinen Wert mehr haben.“
Wir sprachen darüber, was wirklich dahintersteckte. Es ging nicht um die Digitalisierung. Es ging darum, dass Sabine sich ihr Leben lang hatte beweisen müssen. Dass sie als mittleres Kind oft übersehen wurde. Und dass diese alte Verletzung jetzt wieder aufbrach.
Als wir das geklärt hatten, konnte Sabine in der nächsten gemeinsamen Sitzung ganz anders auftreten. Sie konnte Markus‘ Ideen mittragen, weil sie innerlich sortiert war. Und sie konnte ihre eigene Rolle neu definieren – als diejenige, die dafür sorgt, dass bei aller Innovation die Menschlichkeit nicht verloren geht.
Solche Klärungen brauchen Zeit und einen geschützten Raum. Das geht nicht in einem einmaligen Workshop.
Ein Jahr später
Ich begleite Markus, Sabine und Thomas nun seit über einem Jahr. Die Abstände zwischen unseren Terminen sind größer geworden. Manchmal reicht eine monatliche Sitzung, oft aber melden sie sich auch zwischendurch, wenn eine schwierige Entscheidung ansteht. Sie haben eine Flatrate und können mich jederzeit kontaktieren.
„Das Coaching hat uns gerettet“, sagte Sabine bei unserem letzten Treffen. „Nicht, weil du uns gesagt hast, was wir tun sollen. Sondern weil du uns geholfen hast, einander wieder zuzuhören. Und weil du immer wieder fragst: Was ist das Beste für das Unternehmen? Nicht für euch als Geschwister, sondern fürs Unternehmen.“
Markus ergänzte: „Wir haben jetzt viel klarere Strukturen. Ich bin für Innovation und Digitalisierung zuständig, Sabine für Kundenbeziehungen und Qualität, Thomas für Finanzen und Personal. Und wenn wir uns nicht einig sind, haben wir dich. Das nimmt so viel Druck raus.“
Aber das Wichtigste war: Sie hatten gelernt, selbst miteinander zu reden. Das Coaching war zum Sicherheitsnetz geworden, nicht mehr zur Rettungsleine.
Wann braucht dein Familienunternehmen kontinuierliches Coaching?
Nicht jedes Familienunternehmen braucht sofort eine langfristige Begleitung. Aber die folgenden Anzeichen sprechen dafür:
- Entscheidungen werden immer wieder aufgeschoben, weil sich die Familie nicht einigen kann.
- Diskussionen werden schnell persönlich und emotional.
- Es gibt keine klare Struktur, wer was entscheidet.
- Die Mitarbeiter spüren die Spannungen und sind verunsichert.
- Geschwister oder andere Familienmitglieder blockieren sich gegenseitig.
- Ihr habt schon einmal ein Coaching gemacht, aber die alten Muster kommen immer wieder.
- Es fehlt eine neutrale Instanz, die in Konfliktsituationen vermitteln kann.
Wie fängst du an?
Wenn du merkst, dass dein Familienunternehmen kontinuierliche Unterstützung brauchen könnte, fang mit einem Erstgespräch an. Wir schauen uns gemeinsam an, wo die Blockaden sind und was ihr braucht.
Manchmal reicht tatsächlich ein Workshop oder ein paar Einzelsitzungen. Aber wenn die Muster tiefer sitzen, wenn die Konflikte sich wiederholen, wenn ihr merkt, dass ihr allein nicht rauskommt – dann ist eine längerfristige Begleitung der Weg.
Ich arbeite dann nicht nur mit euch als Gruppe, sondern auch mit jedem Einzelnen. Ich bin bei wichtigen Sitzungen dabei, moderiere schwierige Gespräche und bin Ansprechpartnerin, wenn jemand von euch Klärung braucht.
Das ist kein Zeichen von Schwäche. Es ist ein Zeichen von Weitsicht. Denn die besten Familienunternehmen sind die, die wissen, wann sie Hilfe brauchen – und die sich diese Hilfe dann auch holen.
Die Ruhe, die du suchst
Kontinuierliches Coaching kann nicht alle Probleme lösen. Aber es kann etwas sehr Wertvolles schaffen: Ruhe. Die Ruhe, die entsteht, wenn man nicht mehr allein mit schwierigen Entscheidungen ist. Die Ruhe, die entsteht, wenn Konflikte nicht mehr eskalieren, sondern begleitet werden. Die Ruhe, die entsteht, wenn man wieder als Unternehmer handeln kann – und nicht als Geschwister, die sich streiten.
Wenn du merkst, dass ihr euch im Kreis dreht. Wenn Entscheidungen euch mehr Kraft kosten, als sie sollten. Wenn die Spannungen zwischen euch die Freude an der gemeinsamen Arbeit überlagern – dann ist es Zeit, über eine längerfristige Begleitung nachzudenken.
Willst du darüber sprechen, wie das für euch aussehen könnte? Ruf mich an oder buche dir einen Termin für ein kostenloses Kennenlerngespräch. Gemeinsam schauen wir, welche Unterstützung dein Familienunternehmen jetzt braucht.
Ruf mich an: Telefon 0931 – 2 90 71

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