Endlich bist du offiziell Geschäftsführerin und neue alleinige Inhaberin. Die Verträge sind unterschrieben, die Nachfolge unter Dach und Fach. Es war ein langer Vorlauf bis zu diesem Zeitpunkt, und du möchtest nun alles geben, um dieses Unternehmen in die Zukunft zu führen.
Doch immer wieder merkst du, dass jemand anders noch das letzte Wort hat. Dabei hast du sehr gute eigene Ideen und möchtest manche Dinge weiterentwickeln.
Du erwischt deinen Vater, wie er gerade dem Einkaufsleiter erklärt, wie er es „richtig“ machen soll. Und deine Mutter ruft die langjährige Sekretärin an und fragt nach internen Zahlen. Bei der Montagsbesprechung sitzen die Eltern mit am Tisch – obwohl sie das gar nicht mehr müssten.
Oder du hast eine Entscheidung getroffen, über die du lange nachgedacht hast. Dann kommt dein Vater herein, sieht sich die Unterlagen an und sagt: „Das machen wir nicht, das ist viel zu teuer.“
Und so richtig auf die Palme bringen dich die „alten Hasen“ im Team, die hinter vorgehaltener Hand raunen: „Das hätte der Chef aber nie gemacht“.
Du bist offiziell Chefin, fühlst dich aber wie eine Praktikantin. Ätzend.
Doch deine Wut kannst du nicht adressieren. Es sind immerhin auch deine Eltern. Sie haben ihr Herzblut ins Unternehmen gesteckt und meinen es im Grunde gut.
So habe ich es oft erzählt bekommen von Unternehmern in der Nachfolgephase. Das ist eine extrem herausfordernde Zeit.
Nachfolge im Familienunternehmen und das Problem des Loslassens
Die Übergabe eines Unternehmens ist weitaus mehr als ein rechtlicher Akt. Es ist vor allem ein emotionaler Prozess, sowohl für dich als auch für deine Eltern. Und darüber spricht kaum jemand.
Die Eltern haben 30, 40 Jahre ihr Leben in dieses Unternehmen gegeben. Das Unternehmen ist nicht nur ihre Firma – es ist zu einem Teil ihrer Identität geworden. Und wenn sie das jetzt einfach loslassen, fehlt ein Stück. So als wenn man sich einen Arm oder ein Bein amputieren würde.
Außerdem stolpern sie in der Regel unvorbereitet in ihre neue Rolle. Und oft ist auch nicht klar, was für eine Rolle das nun sein soll.
Das rechtfertigt die Einmischung zwar nicht, aber es erklärt sie. Und dieses Verständnis ist der erste Schritt zur Veränderung.
Was du in der Nachfolge tun kannst
Schritt 1: Suche klärende Gespräch mit deinen Eltern
Spreche nicht zwischen Tür und Angel und auch nicht beim Familienessen mit deinen Eltern. Suche einen Zeitpunkt mit Ruhe und Raum. Fang mit einer Anerkennung an – nicht in der Art „Honig ums Maul“, sondern mit Wertschätzung. Würdige, was deine Eltern aufgebaut haben und wofür du dankbar bist. Und dann benenne klar, was nicht funktioniert. Am besten erklärst du deinen Eltern auch, weshalb und wie du dich dabei fühlst. Dann verstehen sie es besser. Und nun formuliere, was du dir wünschst. Sprich von konkreten Vereinbarungen und klaren Grenzen.
Schritt 2: Bau eigene (oder: neue) Strukturen im Unternehmen auf
Viele Eltern mischen sich ein, weil es keine klare Struktur gibt, in der sie sich einordnen können. Gib ihnen eine feste Rolle im Unternehmen. Zum Beispiel ein monatliches Update-Gespräch oder eine Funktion als Senior Advisor für wirklich strategische Fragen. Wenn deine Eltern eine klare Rolle einnehmen können, mischen sie sich weniger in deinen Führungsstil ein. Das habe ich oft beobachten können.
Schritt 3: Zeig dem Team (oder: den Mitarbeitern) dass du der Chef bist
Deine Mitarbeiter müssen wissen, wer das Sagen hat. Wenn sie nicht oder nur zögerlich auf dich hören, dann sprich das offen an. Am besten im Team-Meeting, oder auch in Einzelgesprächen. Sag einfach: „Die Verantwortung für Entscheidungen liegt jetzt bei mir.“ Und dann sei konsequent darin, das auch so durchzusetzen. Das bringt mehr Ruhe ins Team.
Schritt 4: Entwickle klare Regeln für die Besuche deines Vaters
Sage deinen Eltern: „Ich weiß, dass ihr helfen wollt. Aber das verwirrt die Mitarbeiter. Wenn etwas anders läuft jetzt, dann kommt bitte zuerst zu mir. Die Mitarbeiter wissen sonst nicht, wo’s langgeht.“ Den eigenen Eltern gegenüber Grenzen zu setzen ist nicht einfach. Aber es kann dir helfen, wenn du dir klarmachst, dass du auf diese Weise langfristig die Beziehung beschützt.
Schritt 5: Vermeide diesen Fehler, wenn deine Eltern das nächste Mal im Büro stehen
Wenn du deinen Eltern ständig erzählst, was du vorhast, suchst du eigentlich etwas anderes. Du willst das Okay von deinen Eltern, die Anerkennung, ihren Segen. Doch das alles bekommst du nicht, wenn du zu sehr nach der Anerkennung suchst. Du wirkst dadurch leicht unsicher, und das spüren deine Eltern. Sie springen genau deshalb in die Bresche, weil sie dir aus der Unsicherheit heraushelfen wollen. Das läuft oft sehr unterschwellig ab und ist den Beteiligten gar nicht bewusst. Sobald du aufhörst, das Okay von deinen Eltern zu wollen, verändert sich die Dynamik. Du klingst nicht mehr, als wolltest du dich rechtfertigen, und deine Eltern können dir mehr vertrauen.
Nachfolge ist ein Prozess, der Zeit braucht
Solche Übernahmephasen dauern oft mehrere Jahre. Eltern ziehen sich Stück für Stück aus einem Familienunternehmen zurück. Nachfolger finden emotional immer besser in ihre neue Rolle und entwickeln eine andere Ausstrahlung. Veränderungen geschehen selbstverständlicher und die Mitarbeiter wissen, an wen sie sich wenden müssen. Die Beziehung zu den Eltern wird dabei nicht schlechter, sondern ehrlicher, klarer und vielleicht sogar besser.
Es ist immer wieder schön zu sehen, wie z. B. aus einer noch leicht unsicher wirkenden Nachfolgerin eine selbstsichere Unternehmerin wird. Das ist eine sehr lohnenswerte Transformation.
Wenn deine Eltern ihr Erbe allerdings erst überschreiben und dabei unter mehreren Geschwistern aufteilen wollen/müssen, sollte „absolute Gerechtigkeit“ nicht die erste Rolle spielen. Weshalb, das kannst du hier weiterlesen.
Du musst das nicht allein lösen
Wenn du gerade mittendrin steckst in solch einem Prozess, in dem du täglich kleine oder größere Kämpfe führst und nicht mehr weißt, wie du da rauskommst: Du bist nicht allein. Und es ist keine Schwäche, sich Hilfe zu holen. Im Gegenteil, es ist Weitsicht.
Als neutrale dritte Person kann ich Dinge ansprechen, die zwischen Eltern und Kind sofort nach Vorwurf klingen würden. Ich kann alte Familienmuster sichtbar machen, die sich ins Unternehmen eingeschlichen haben. Und ich kann dabei helfen, neue Wege so lange zu gehen, bis sie selbstverständlich werden.
Wenn du neugierig bist, ob eine Zusammenarbeit für dich das Richtige sein könnte – buch dir einen Termin für ein kostenloses Kennenlerngespräch. Wir schauen dann gemeinsam, wie du aufgestellt bist, und ob meine Unterstützung dir weiterhelfen kann.
Denn am Ende geht es nicht nur um das Unternehmen, sondern auch um deine Lebensqualität, deine Freude an der Arbeit und um die Beziehung zu deinen Eltern.
Ruf mich an: 0931 – 2 90 71
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