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Wenn die Unternehmerfamilie dir auf den Senkel geht
und was du dagegen tun kannst

Du kennst das vielleicht: Du sitzt mit deiner Unternehmerfamilie beim gemeinsamen Mittagessen. Da fällt plötzlich der Satz „Übrigens, die neue Mitarbeiterin ist Schrott, die hättest du gar nicht einstellen dürfen.“ Dein Puls steigt, die Gabel bleibt in der Luft hängen, und das entspannte Familienevent ist dahin. Oder umgekehrt: In der Geschäftsführungssitzung kommt plötzlich „Oh Mann, du warst schon als Kind so stur“ … Und zack – fühlst du dich nicht mehr wie der souveräne Geschäftsführer und Gesellschafter, sondern wie das kleine Geschwisterkind von damals.

Genau diese Vermischung bringt eine Unternehmerfamilie oft zur Weißglut. Und das, ohne benennen zu können, warum. Doch du musst nicht unbedingt gelassener, entspannter oder weniger emotional werden. Es funktioniert auch besser, wenn du und deine Unternehmerfamilie klarere Strukturen habt. Wenn ihr Regeln für euer Zusammenarbeiten aufstellt.

In einer Unternehmerfamilie gibt es meist keine Feierabend-Grenze. Das Geschäft ist immer präsent. Und die Familie sowieso.

Ich kenne das selbst sehr gut, ich bin seit über 30 Jahren selbständig und mein Business sitzt oft mit mir am Küchentisch.

Konflikte eskalieren nicht, weil die Sache an sich so dramatisch wäre, sondern weil etwas sich angestaut hat und dann zur falschen Zeit und am falschen Ort hochkocht. Der Bruder, der beim Abendessen plötzlich deine strategische Entscheidung anzweifelt. Die Schwester, die im Geschäftstermin persönlich wird. Der Vater, der seine Enttäuschung über dein Privatleben in die Bilanzbesprechung einstreut.

Im Grunde bist du ständig in Alarmbereitschaft, weil du nie weißt, wann und wo das nächste emotionale Minenfeld wartet.

Kommunikationsrituale sind keine bürokratische Spielerei. Sie sind dein Schutzschild gegen die permanente Vermischung. Sie schaffen Vorhersehbarkeit in einem System, das von Natur aus unvorhersehbar ist.

1. Der heilige Jour fixe: Wenn übers Business geredet wird

Etabliere einen wöchentlichen oder zweiwöchentlichen Termin, der ausschließlich dem Geschäft gehört. Nicht verhandelbar. Feste Uhrzeit, fester Ort, feste Agenda. Da könnt ihr euch drauf vorbereiten.

So funktioniert es:

Der Termin findet immer am selben Wochentag zur selben Zeit statt. Es gibt in der Regel eine vorab verschickte Agenda. Wer spontan etwas besprechen will, könnte das vorher noch kurz anmelden. Der Termin findet im Büro oder Besprechungsraum statt, nie zu Hause beim Kaffee. Die räumliche Trennung hilft, auch emotional zu trennen. Es gibt klare Rollen: Wer moderiert? Wer protokolliert? Das Protokoll ist wirklich wichtig. Denn dann können sich alle Beteiligten später darauf berufen. Ende ist Ende – auch wenn noch etwas in der Luft hängt.

Der entscheidende Effekt: Wenn dein Bruder beim Mittagessen mit einem Geschäftsthema anfängt, kannst du entspannt sagen: „Gutes Thema, setzen wir auf die Agenda für Donnerstag.“ Du musst nicht sofort reagieren. Du hast einen Container dafür.

2. Die unsichtbare Linie: Familie bleibt Familie

Genauso wichtig wie geschützte Geschäftszeiten sind geschützte Familienzeiten. Sonntagsessen, Geburtstage, gemeinsame Urlaube – hier gilt ein striktes Geschäftsverbot.

Die Regel ist einfach: Wer sie bricht, wird freundlich, aber bestimmt unterbrochen. „Lass uns das am Donnerstag besprechen.“ Keine Diskussion darüber, ob das Thema wichtig ist. Es geht ums Prinzip.

Viele Familienunternehmer haben Angst, dass wichtige Dinge liegen bleiben. Das Gegenteil ist der Fall. Wenn du weißt, dass du zweimal pro Woche einen festen Rahmen hast, entspannt sich das gesamte System. Die Themen werden dann nicht verdrängt, sondern nur an einen festen Platz verortet und kanalisiert.

3. Der Parkplatz: Wohin mit den Emotionen?

Das ist wirklich nicht so einfach. Denn natürlich gibt es auch emotionale Themen, die besprochen werden müssen. „Ich fühle mich von dir übergangen.“ „Der Papa zieht dich immer vor, weil du das Mädchen bist.“ „Ich habe das Gefühl, niemand nimmt wahr, was ich drauf habe.“ „Ich kann mich anstrengen, wie ich will, keiner sieht’s.“

Diese Themen gehören weder ins Sonntagsessen einer Unternehmerfamilie, noch in die Geschäftsführungssitzung. Sie brauchen einen dritten Raum.

Der Parkplatz funktioniert so:

Es gibt einen separaten Termin dafür. Je nach Konfliktlage findet dieser Termin wöchentlich statt, später dann vielleicht alle zwei Wochen oder einmal im Monat. Dieser Termin heißt „Familiengespräch“ oder „Gesellschaftergespräch auf persönlicher Ebene“. Hier dürfen all diese emotionalen Themen angesprochen werden. Es geht hier um Befindlichkeiten, Verletzungen, Bedürfnisse. Wichtig ist, dass eine externe Moderation durch einen guten Coach stattfindet. Zumindest am Anfang. Wenn dieses „Familiengespräch“ regelmäßig stattfindet, kann es die Basis zu mehr Verständnis und besserem Miteinander werden. Deshalb sollte der nicht ausfallen, auch wenn gerade „alles gut“ ist. Denn auch das kann man sich einmal sagen. Ansonsten wird das „Familiengespräch“ zum Krisentermin.

Wenn im Jour fixe plötzlich jemand persönlich wird, kannst du sagen: „Das ist ein wichtiges Thema, gehört aber ins Familiengespräch. Lass uns das dort klären.“ Du kehrst also nichts unter den Teppich, du verortest es nur in den passenden Zeitrahmen.

Kommunikationsrituale wirken auf den ersten Blick wie eine organisatorische Maßnahme. Aber sie haben einen tiefen psychologischen Effekt: Sie geben dir Kontrolle zurück.

Du bist nicht mehr Spielball der Emotionen anderer. Oder auch deiner eigenen. Du musst auch nicht mehr sofort reagieren, wenn jemand dich triggert. Du weißt, dass es einen passenden Ort und die richtige Zeit dafür gibt. Nicht jetzt, nicht hier, aber bald.

Das reduziert die permanente Habachtstellung. Du kannst beim Familienessen tatsächlich entspannen, weil du weißt, dass niemand die Investitionsstrategie auf den Tisch werfen wird. Du kannst im Jour fixe sachlich bleiben, weil persönliche Vorwürfe dort nicht hingehören.

„Aber meine Familie wird das nie mitmachen!“ – diesen Satz höre ich öfter. Dann kannst du folgendermaßen vorgehen:

Fang klein an:

Versuche nicht gleich ein komplettes Ritual-System aufzubauen. Fang erstmal mit einem wöchentlichen Jour fixe an und probiere das vier Wochen aus.

Erkläre das Warum:

Sag nicht „Wir müssen mal strukturierter arbeiten“, sondern „Ich merke, dass mich das stresst, wenn wir beim gemeinsamen Mittagessen immer auch übers Geschäft reden. Können wir das trennen und uns einfach nur mal privat treffen?“

Sei konsequent:

Das Ritual funktioniert nur, wenn du es durchhältst. Auch wenn es am Anfang künstlich wirkt. Das macht nichts. Nach sechs bis acht Wochen wird es zur Gewohnheit und fühlt sich viel natürlicher an.

Hol dir Verbündete:

Oft gibt es in der Familie noch jemanden, der ebenfalls unter der Vermischung leidet. Sprecht zu zweit mit den anderen.

Mach dich auch auf Widerstand gefasst:

Manche Familienmitglieder werden nicht richtig mitziehen. Bewusst oder unbewusst. Das ist normal. Bleib trotzdem freundlich und bestimmt bei deiner Linie.

Familienunternehmen sind emotional – das ist ihre Stärke und ihre Herausforderung zugleich. Du musst die Emotionen nicht abschalten. Aber du kannst entscheiden, wann und wo sie Raum bekommen.

Kommunikationsrituale sind keine Gefühlsunterdrückung. Im Gegenteil – sie gehören zum emotionalen Management. Sie schaffen Rahmen, in denen verschiedene Teile eurer Beziehung zueinander ihren Platz haben.

Und genau das gibt dir die innere Ruhe zurück. Nicht weil plötzlich alles harmonisch wäre. Sondern weil du weißt: Jedes Thema hat seinen Raum. Und du musst nicht alles sofort klären. Das Gute daran ist, dass Emotionen – wenn man sie erstmal vertagt und sich später drum kümmert, ihre Schärfe verlieren. Das macht den Austausch darüber wiederum leichter.

Probier’s einfach mal vier Wochen lang aus. Ein einziger wöchentlicher Termin mit klaren Regeln. Und beobachte, was mit deinem Stresslevel passiert.

Vielleicht entdeckst du dabei, dass der Streit mit den Familienmitgliedern nie das eigentliche Problem war. Es war die fehlende Struktur drumherum.

Und hier bekommst du weitere Hilfestellung, wie du mit Konflikten umgehen kannst.

Wenn ich dir und euch bei der Strukturierung eurer Themen helfen soll, melde dich. Ich mach das richtig gern.

Hanne Demel

Hanne Demel arbeitet seit ca. 30 Jahren psychotherapeutisch und als Coach für Unternehmer, vor allem in Familienunternehmen. Ihr Schwerpunkt sind emotionale Themen - auch im Unternehmenskontext. Professioneller Hintergrund: Sozialpädagogin, systemische Familientherapie und Organisationsaufstellungen, Hypnosetherapie, Tanz- und Bewegungstherapie und Heilpraktikerin für Psychotherapie. Sie lebt in Zell bei Würzburg.

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