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Ethik im Unternehmensalltag:
Warum ethische Entscheidungen gut tun

Neulich saß mir ein Unternehmer gegenüber. Die Zahlen stimmten, die Strategie war klug, die Verträge wasserdicht. Und trotzdem konnte er nachts nicht schlafen.

„Rational war meine Entscheidung richtig“, sagte er. „Aber irgendwas nagt noch an mir.“

Kennst du das? Du hast alles richtig gemacht – zumindest auf dem Papier. Und trotzdem lässt dich die Entscheidung nicht los.

Ich nehme an, wir alle haben schon Entscheidungen getroffen, die objektiv „richtig“ waren – und uns dann trotzdem keine Ruhe gelassen haben. Oder auch umgekehrt: Momente, in denen wir nach einer schwierigen, ethischen Entscheidung tief durchatmen konnten, obwohl sie uns etwas gekostet hat.

Das ist keine rationale Angelegenheit. Es ist eine Sache der ethischen Stimmigkeit.

Unser Körper ist ein verdammt guter Ethik-Sensor. Er registriert sofort, wenn wir gegen unsere menschlichen Werte handeln. Auch wenn wir uns das rational noch so schönreden. Das Ergebnis: Unruhe, Anspannung, dieses grummelnde Gefühl im Bauch.

Im Familienunternehmen sehe ich das oft: Der Vater, der seinem Sohn die Firma nicht komplett übergeben will, obwohl der längst bereit wäre – aus Angst, selbst nicht mehr gebraucht zu werden. Die Schwester, die den Bruder bei wichtigen Entscheidungen übergeht, weil „er das sowieso nicht versteht“. Ist das rational? Eher nicht. Eine ethische Entscheidung? Nein.

Ethik macht etwas Faszinierendes mit dir: Dein Nervensystem entspannt sich. Nicht, weil die Situation einfach wäre. Sondern weil innere und äußere Realität zusammenpassen.

Diese Kongruenz – dieses Gefühl von „Ja, so ist es richtig“ – ist der Nährboden für echte innere Ruhe. Weil das stimmig ist.

Ethische Entscheidungen zu treffen bedeutet nicht, dass du immer die bequemste – oder auch die unbequemste – Variante wählst. Im Gegenteil. Manchmal ist die ethische Entscheidung auch der Mittelweg.

Du sagst einem langjährigen Mitarbeiter, dass seine Leistung nicht mehr passt – statt es noch länger auszusitzen. Aber du hilfst ihm zugleich, etwas anderes zu finden, was besser zu ihm passt.

Ein anderes Beispiel: Du gibst Verantwortung ab, obwohl du Angst hast, die Kontrolle zu verlieren. Doch du stellst dich dieser Angst und sprichst sie eventuell auch offen aus.

Ein drittes Beispiel: Du sprichst den Konflikt mit deinem Geschwister im Unternehmen an, um eine Lösung zu finden, anstatt ihn unter den Teppich zu kehren. Aber du tust das freundlich ohne zu explodieren.

Nach solchen ethischen Entscheidungen – auch wenn sie schwer waren – kannst du nachts besser schlafen. Weil du weißt: Ich hab’s richtig gemacht.

In meiner Arbeit unterscheide ich drei Ebenen:

1. Die Entscheidung selbst:

Was ist fair? Was ist transparent? Wer wird gehört, wer übergangen? Hier geht es um die konkrete Frage: Behandle ich Menschen so, wie ich selbst behandelt werden möchte? Eine ethische Entscheidung berücksichtigt die Bedürfnisse aller Beteiligten – nicht nur die eigenen.

2. Der Prozess drumherum:

Wie kommst du zur Entscheidung? Wer war beteiligt? Wurden alle relevanten Stimmen gehört? Ein fairer Prozess schafft Akzeptanz – selbst wenn nicht alle mit dem Ergebnis glücklich sind. Ethische Entscheidungen entstehen nicht im stillen Kämmerlein. Sie brauchen Transparenz und Beteiligung.

3. Deine innere Haltung:

Warum triffst du diese Entscheidung wirklich? Aus Angst? Aus Machtwillen? Oder aus echter Verantwortung? Diese Ebene der Ethik ist die schwierigste – und die wichtigste. Denn sie entscheidet darüber, ob du nachher in den Spiegel schauen kannst. Eine ethische Entscheidung kommt aus einer klaren inneren Haltung, nicht aus einer emotionalen Reaktion heraus.

Jede Entscheidung, die nicht ethisch stimmig ist, erzeugt inneren Widerstand. Und innerer Widerstand kostet Kraft. Jeden Tag. Stunde für Stunde.

Du musst dich rechtfertigen – vor dir selbst und vor anderen. Du musst Ausreden finden. Du musst Unbehagen verdrängen. Das alles verbraucht enorm viel mentale Energie.

Ethische Entscheidungen dagegen geben dir Energie. Weil du keine Kraft fürs Verdrängen verschwenden musst. Weil du aufrecht gehen kannst. Weil du weißt: Ich handle im Einklang mit dem, woran ich glaube.

Das ist nicht esoterisch. Das ist die psychologische Grundausstattung.

Ich hab das in meinem Leben oft genug erlebt: Wenn ich meine Werte und meine Ethik habe entscheiden lassen, konnte ich abends abschalten und nachts gut schlafen. Auch wenn mir etwas schwergefallen ist. Wenn ich aus Bequemlichkeit oder Angst gegen meine Ethik gehandelt habe, raubte mir das den Schlaf.

Hier ist ein einfacher Test: Beobachte dich diese Woche bei allem, was du tust. Und auch bei dem, was du denkst.

Wie fühlst du dich unmittelbar nach deinem Handeln? Wo in deinem Körper spürst du Entspannung oder Anspannung? Was nagt noch länger an dir – und was lässt dich durchatmen?

Du wirst feststellen: Dein Körper weiß sehr genau, wann du ethisch handelst und wann nicht.

Und wenn du merkst, dass eine Entscheidung dich nicht loslässt – dann frag dich nicht zuerst: „War sie rational richtig?“ Frag dich: „War sie ethisch stimmig?“

Die Antwort auf diese Frage bringt dir mehr innere Ruhe als jede Kosten-Nutzen-Rechnung.

In Familienunternehmen wird das Thema „Ethik“ nochmal komplizierter. Warum? Weil hier zwei Systeme aufeinandertreffen: Familie und Unternehmen. Und jedes System hat seine eigenen Richtlinien.

Was in der Familie richtig ist, kann im Unternehmen falsch sein. Und umgekehrt.

Ein Beispiel:

In der Familie ist es (hoffentlich) selbstverständlich, dass du deine Eltern achtest und ihnen loyal bist – egal was kommt. Im Unternehmen kann aber genau diese bedingungslose Loyalität auch zum Problem werden, wenn es z. B. um Entscheidungen für die Zukunft geht.

Eine ethische Entscheidung in so einer Situation berücksichtigt beide Ebenen. Sie fragt: Was ist das Richtige für die Familie? Und was ist richtig fürs Unternehmen? Und wo liegt der Punkt, an dem beide zusammenkommen können?

Das ist verdammt schwer, denn manchmal muss man beide Ebenen „bedienen“, ohne dass sie überein passen. Und genau deshalb unterstütze ich Familienunternehmen dabei, solche ethischen Entscheidungen zu treffen, denn diesen Punkt gibt es immer. Allein findet man ihn nur nicht.

In meiner Arbeit sehe ich das immer wieder, dass Entscheidungen, die einen ethischen Konflikt hervorrufen, am schwierigsten sind. Oft hat das mit den verschiedenen Rollen zu tun, die aufeinanderprallen. Eine Entscheidung vor sich her zu schieben, macht es dann meist auch nicht besser.

Solche Konflikte können sein:

  • Jemand wurde übergangen.
  • Die Verantwortung ist unklar.
  • Niemand spricht offen aus, was alle denken.
  • Rollen prallen widersprüchlich aufeinander
  • Der Eine will den anderen nicht verletzen
  • etc.

Das gilt übrigens nicht nur für Familienunternehmen. Das gilt für jedes Team, jede Partnerschaft, jede Führungsaufgabe.

Ethik ist kein Luxus für gute Zeiten. Ethik ist das Fundament für innere Zuversicht – gerade in schwierigen Zeiten.

Wenn du weißt, dass du eine ethische Entscheidung getroffen hast, kannst du auch mit unangenehmen Konsequenzen leben. Wenn du weißt, dass du transparent warst, musst du dir keine Sorgen machen, was andere denken. Wenn du weißt, dass du alle Stimmen gehört hast, kannst du auch schwere Entscheidungen tragen.

Hier kommt der Kern dessen, was ich „Ethisches Wohlbefinden“ nenne: Ethisches Handeln baut langfristig innere Zuversicht auf.

Denn jedes Mal, wenn du bewusst ethisch handelst, stärkst du das Vertrauen in dich selbst. Du beweist dir, dass du schwierige Situationen lösen kannst, ohne deine Werte zu verraten.

Das ist wie ein Muskel, den du trainierst. Je öfter du ethisch handelst, umso leichter fällt dir das. Und desto größer wird deine innere Gelassenheit.

Warum? Weil du weißt, dass du mit dem, was kommt, umgehen kannst. Du hast schon oft bewiesen, dass du auch in schwierigen Situationen integer bleiben kannst.

Diese innere Sicherheit ist unbezahlbar. Sie ist das, was dich nachts ruhig schlafen lässt. Auch wenn draußen gerade Chaos herrscht.

Ich möchte dich zu einem Experiment einladen. Achte diese Woche bewusst darauf, wann du auf deine Ethik hörst, und wann nicht.

Beobachte,

  • wie sich dein Körper anfühlt.
  • wann du abends abschalten kannst und wann nicht.
  • wann du dich gern im Spiegel anschaust und wann nicht.

Du wirst vermutlich überrascht sein, wie präzise dein innerer Kompass ist.

Und wenn du merkst, dass eine Entscheidung dich seit Wochen nicht loslässt – im Unternehmen oder in der Familie – dann ist das oft ein Zeichen dafür, dass sie ethisch nicht stimmig war.

In so einem Fall hilft es manchmal, nochmal hinzuschauen: Was genau nagt an mir? Wurde jemand übergangen? War ich transparent? Habe ich aus Angst entschieden oder aus echter Ethik und Verantwortungsgefühl? Was war wirklich meine Motivation für diese Entscheidung?

Hier kannst du in meinem nächsten Blogartikel weiterlesen, welche Ebenen du tatsächlich abklopfen solltest, um ethische Entscheidungen treffen zu können.

Ethische Entscheidungen zu treffen ist nicht immer einfach. Aber sie sind das Einzige, was dir langfristig innere Ruhe und Zuversicht gibt.

Das ist emotionales Management für dein ethisches Wohlbefinden.

Ich wünsche dir für die nächste Woche eine gute und bewusste ethische Basis, damit du ruhig schlafen kannst.

Deine Hanne

P.S.: Wenn du merkst, dass eine Entscheidung dich seit Wochen nicht loslässt – vielleicht im Unternehmen, vielleicht in der Familie – dann lass uns darüber sprechen. Manchmal braucht es einen neutralen Blick von außen, um zu sehen, wo die ethische Schieflage liegt. Hier kannst du dir ein Kennenlern-Gespräch buchen.



Hanne Demel

Hanne Demel ist Coach für Familienunternehmen und begleitet seit 30 Jahren Inhaberfamilien im Mittelstand bei Problemen rund um Nachfolge  und Führung.

Als Diplom-Sozialpädagogin, Heilpraktikerin für Psychotherapie und ausgebildete Familientherapeutin liegt ihr Schwerpunkt in der Lösung von familiären Konflikten.

Im Blog schreibt sie darüber, wie Rollenunklarheiten und Führungsansprüche zu Verwürfnissen in Familienunternehmen führen können - und wie sich das vermeiden lässt.

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