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Selbstfürsorge im Familienunternehmen:
Warum liebevoller Selbst-Talk deine Geheimwaffe ist

Du kennst das wahrscheinlich: Du sollst in einem Meeting rasch eine Entscheidung treffen und merkst hinterher, dass du etwas Wichtiges nicht bedacht hast. In dem Moment kommentierst du dich innerlich: „Warum kriegst du Dödel das denn nicht besser hin?“ oder „Hätt ich Depp doch nicht so schnell entschieden.“

Die Art, wie du innerlich mit dir sprichst, ist nicht irgendein Wellness-Thema. Es ist ein entscheidender Erfolgsfaktor. Gerade in Familienunternehmen, wo du nicht nur Chef bist, sondern auch Tochter, Sohn, Schwester oder Bruder. Selbstfürsorge beginnt damit, wie du mit dir selbst redest.

Wann hast du dir das letzte Mal selbst auf die Schulter geklopft? Ernsthaft. Nicht nur kurz gedacht „War okay“, sondern dir wirklich gesagt: „Das hast du richtig gut gemacht“?

Unternehmer sind oft Meister darin, sich anzutreiben und dabei selbst zu geißeln. Jeder Fehler wird innerlich analysiert, jede Schwäche notiert. Aber Erfolge? Die sind oft selbstverständlich. Schließlich ist das der Job, oder?

Eine solche innere Härte ist tief verwurzelt. Vielleicht kommt sie aus deiner Erziehung. Vielleicht aus dem Gefühl, im Familienunternehmen besonders viel beweisen zu müssen. Möglicherweise auch aus der Angst, nicht gut genug zu sein. Egal woher – sie kostet dich enorm viel Energie.

Jedes Mal, wenn du dir selbst eins überbrätst, erzeugst du Stress. Und der verbraucht Kraft, die dir dann für wichtige Dinge fehlt. Selbstfürsorge ist deshalb keine Schwäche – sie ist die Grundlage für nachhaltige Leistungsfähigkeit.

Deine innere Sprache wirkt wie ein Filter. Bist du ständig kritisch mit dir, nimmst du dich als unzulänglich wahr. Das erzeugt ein unterschwelliges Gefühl von Unsicherheit. Du fühlst dich unter Druck, musst dich permanent beweisen. Das ist anstrengend.

Und das Verrückte ist: Diese Unsicherheit versuchst du dann im Außen auszugleichen. Du brauchst Bestätigung von anderen. Von Mitarbeitern, von Familienmitgliedern, von Geschäftspartnern. Du wirst bedürftig. Nicht offensichtlich vielleicht, aber unterschwellig.

Das wiederum beeinflusst deine Beziehungen. Wenn du selbst nicht in deiner Mitte bist, überträgst du diese Anspannung auf dein Umfeld. Mitarbeiter spüren das. Deine Familie im Unternehmen spürt das erst recht.

Harter Selbst-Talk erzeugt Enge. In dir. In deinen Entscheidungen. In der Zusammenarbeit. Es ist, als würdest du permanent mit angezogener Handbremse fahren.

Stell dir vor, du hättest einen Mitarbeiter, den du ständig kritisierst. Dem du sagst, er sei nicht gut genug, er müsse sich mehr anstrengen, er hätte schon wieder einen Fehler gemacht. Wie lange würde dieser Mensch motiviert bleiben? Wie kreativ könnte er arbeiten? Wie entspannt wäre die Zusammenarbeit?

Genau so ist es, wenn du dich selbst so behandelst. Und dann von dir trotzdem Höchstleistung erwartest.

Selbstfürsorge bedeutet, mit dir selbst so umzugehen, wie du mit einem geschätzten Mitarbeiter umgehen würdest. Respektvoll. Wertschätzend. Mit Verständnis für Fehler und Anerkennung für Erfolge.

Das ist keine Selbstverliebtheit. Das ist emotionale Intelligenz. Und emotionales Management. Wer sich selbst gut behandelt, hat mehr Ressourcen zur Verfügung. Mehr Ruhe. Mehr Klarheit. Mehr Energie für die wirklich wichtigen Dinge.

Wenn du innerlich entspannter mit dir umgehst, passiert etwas Interessantes: Du wirst stabiler. Diese Stabilität ist wie ein Fels in der Brandung. Für dich selbst – aber auch für dein Team.

Menschen orientieren sich an der Energie ihrer Führungskraft. Wenn du in dir ruhst, strahlst du auch aus, dass du dich selbst achtest und wertschätzt. Dadurch gibst du anderen Sicherheit. Du zeigst, dass es auch okay ist, mal einen Fehler zu machen und ihn zuzugeben. Es ist okay, nicht perfekt zu sein.

Diese Haltung schafft eine Atmosphäre, in der sich Mitarbeiter entfalten können. Wo Kreativität möglich ist. Wo offen kommuniziert wird, weil niemand Angst haben muss, für Fehler fertiggemacht zu werden.

Und in Familienunternehmen ist das besonders wichtig. Hier prallen oft verschiedene Generationen, alte Muster und hohe Erwartungen aufeinander. Je mehr du in deiner Mitte bist, desto gelassener kannst du mit Konflikten umgehen. Du bist weniger getriggert, wenn ein Familienmitglied dich kritisiert. Du brauchst keine ständige Bestätigung mehr.

Das nimmt Enge raus. Aus dir. Aus den Beziehungen. Aus dem gesamten Unternehmen.

Okay, aber wie macht man das jetzt konkret? Wie redet man liebevoll mit sich selbst, wenn man das nie gelernt hat?

Der erste Schritt ist: Hör dir zu. Nimm wahr, was du dir den ganzen Tag über erzählst. Schreib es ruhig mal auf. Oft ist es gar nicht bewusst, wie hart wir innerlich mit uns umspringen.

Dann frage dich: Würde ich so mit einem guten Freund reden? Mit jemandem, den ich schätze? Vermutlich nicht. Also warum mit dir selbst?

Wenn du merkst, dass du wieder in alten Mustern bist, halte kurz inne. Atme tief durch. Und formuliere den Gedanken um. Sage dir statt „Das war totaler Mist“ vielleicht: „Das ist nicht so gelaufen wie geplant. Was kann ich daraus lernen?“

Und ganz wichtig: Feiere auch deine Erfolge. Nicht nur die großen. Auch die kleinen Dinge. Du hast ein schwieriges Gespräch gut geführt? Sag dir: „Vorname, das hast du gut gemacht.“ Ja, sprich dich an, als wenn du eine andere Person wärst. Das wirkt tiefer. Oder du hast eine Entscheidung getroffen, obwohl es schwer war? Dann würdige das. Lob dich selbst dafür. Das ist nicht peinlich (muss ja auch keiner hören). Das ist Selbstfürsorge.

Ein anderer wichtiger Punkt: Sei nachsichtig mit dir. Du bist ein Mensch, kein Roboter. Du darfst auch mal einen schlechten Tag haben. Das bedeutet nicht, dass du versagt hast. Es bedeutet nur, dass du ein Mensch bist.

Vielleicht denkst du jetzt: „Schön und gut, aber ich habe keine Zeit für Selbstfürsorge und so’n Kram.“ Das ist ein richtiger Denkfehler.

Liebevoller Selbst-Talk kostet keine zusätzliche Zeit. Selbstgespräche finden sowieso statt – nur momentan halt in der harten Version. Du denkst ja ständig über dich und deine Situation nach. Es geht nur darum, diese Gedanken bewusster und freundlicher zu gestalten.

Und ja, das braucht Übung. Am Anfang fühlt es sich vielleicht ungewohnt und komisch an. Oder sogar falsch. Das ist normal. Jahrelange Muster ändern sich nicht über Nacht.

Aber die Investition lohnt sich. Je liebevoller du mit dir umgehst,

  • desto mehr Energie hast du.
  • Desto klarer sind deine Entscheidungen.
  • Desto entspannter ist die Zusammenarbeit im Familienunternehmen.

Das ist keine Esoterik. Das ist emotionales Management. Das ist professionelle Führung – angefangen bei dir selbst.

Letztendlich geht es genau darum: um die stabile Basis. Und zwar in dir selbst. Wer sich selbst wertschätzt, braucht das nicht mehr von außen. Wer sich selbst gut behandelt, ist weniger abhängig von der Meinung anderer.

Das macht dich als Unternehmer frei. Frei, Entscheidungen aus Klarheit zu treffen statt aus Bedürftigkeit. Frei, Beziehungen auf Augenhöhe zu gestalten. Frei, auch mal Nein zu sagen, ohne dich schuldig zu fühlen.

Und in Familienunternehmen ist diese innere Stabilität Gold wert. Hier vermischen sich private und geschäftliche Beziehungen. Hier gibt es alte Verletzungen, unausgesprochene Erwartungen und komplexe Dynamiken. Je mehr du in deiner Mitte bist, desto souveräner kannst du damit umgehen.

Selbstfürsorge ist also nicht nur für dich wichtig. Sie ist die Grundlage für eine gesunde Unternehmenskultur. Für ein Arbeitsklima, in dem sich Menschen wohlfühlen und entfalten können. Für eine Familie, die trotz der gemeinsamen Arbeit in Verbindung bleibt.

Du musst nicht warten, bis du perfekt darin bist. Fang einfach an. Heute. Jetzt.

Nimm dir einen Moment Zeit und frage dich: Wie habe ich heute mit mir gesprochen? War ich freundlich? War ich wertschätzend? Oder war ich hart und kritisch?

Und dann entscheide: Ab jetzt behandle ich mich besser. Nicht perfekt. Nicht immer. Aber immer öfter. Bewusster.

Das ist Selbstfürsorge. Das ist emotionales Management. Das ist die Grundlage für alles andere.

Achte gut auf dich. Denn du bist die wichtigste Ressource in deinem Unternehmen.

Hanne Demel

Hanne Demel ist Coach für Familienunternehmen und begleitet seit 30 Jahren Inhaberfamilien im Mittelstand bei Problemen rund um Nachfolge  und Führung.

Als Diplom-Sozialpädagogin, Heilpraktikerin für Psychotherapie und ausgebildete Familientherapeutin liegt ihr Schwerpunkt in der Lösung von familiären Konflikten.

Im Blog schreibt sie darüber, wie Rollenunklarheiten und Führungsansprüche zu Verwürfnissen in Familienunternehmen führen können - und wie sich das vermeiden lässt.

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